27. September 2026
Monteverdis „L’Orfeo“ in Wien: Rolando Villazón als Orfeo
Monteverdis „L’Orfeo“ führt Rolando Villazón an der Wiener Staatsoper in die Frühzeit der Oper. Stefan Gottfried dirigiert den Concentus Musicus Wien, Tom Morris inszeniert das Werk über Liebe, Tod und die Macht des Gesangs.

Mainz/Wien - Rund vier Jahrhunderte nach seiner Entstehung kehrt Claudio Monteverdis L’Orfeo an die Wiener Staatsoper zurück. Im Zentrum steht Rolando Villazón als Orfeo, der sich damit einem Werk aus der Frühzeit der Oper widmet. Die Premiere findet am 25. Oktober 2026 statt; weitere Vorstellungen folgen am 28. und 31. Oktober sowie am 3. November. Stefan Gottfried übernimmt die musikalische Leitung, es spielt der Concentus Musicus Wien.
Monteverdis Favola in musica erzählt einen Stoff, der zum Grundmotiv unzähliger späterer Opern werden sollte: Orfeo verliert Euridice am Tag der Hochzeit und steigt in die Unterwelt hinab, um sie zurückzugewinnen. Entscheidend ist dabei von Anfang an seine musikalische Fähigkeit. Mit seinem Gesang bewegt er die Herrscher der Unterwelt dazu, Euridice freizugeben. Doch auf dem Rückweg bricht er das Gebot, sich nicht nach ihr umzusehen – und verliert sie endgültig.
Für Villazón liegt die Herausforderung damit in einer musikalischen Sprache, die sich deutlich von seinem Kernrepertoire des 19. und 20. Jahrhunderts unterscheidet. Monteverdis Musik verbindet Deklamation, Affekt und vokale Linie unmittelbar mit dem Wort. Die dramatische Wirkung entsteht weniger aus geschlossenen Arien als aus dem Wechsel von Rezitation, Ensemble und instrumental geprägten Abschnitten.
Am Pult steht Stefan Gottfried, der mit L’Orfeo zugleich an der Wiener Staatsoper debütiert. Gemeinsam mit dem Concentus Musicus Wien entsteht ein Klangbild, das die frühe Oper nicht mit dem Apparat eines modernen romantischen Opernorchesters überformt, sondern die Beweglichkeit der Stimmen und die unterschiedlichen Farben des historischen Instrumentariums in den Vordergrund stellt.
Tom Morris übernimmt die Inszenierung, Anna Fleischle Bühne und Kostüme. Die szenische Konzeption verbindet damit den historischen Stoff mit einer zeitgenössischen Bühnensprache, ohne Monteverdis Werk auf eine museale Rekonstruktion zu reduzieren. Im Mittelpunkt bleibt die Frage, was Orfeo mit seiner Kunst tatsächlich bewirken kann.
An Villazóns Seite singt Florina Ilie die Euridice. Nadezhda Karyazina übernimmt die Rollen Musik, Hoffnung und Echo, Margaret Plummer ist als Botin und Proserpina zu erleben. Matheus Franca singt Plutone, Wolfgang Bankl Caronte, Hiroshi Amako Apollo und Iurii Iushkevich einen Hirten.
Mit L’Orfeo setzt die Wiener Staatsoper zugleich ihren Zyklus „Meisterwerke aus vier Jahrhunderten“ fort, der Operngeschichte chronologisch anhand zentraler Werke durchmisst. Monteverdis Oper bildet dabei den frühesten Punkt der aktuellen Reihe.
So rückt in Wien nicht nur Orfeos mythischer Versuch in den Mittelpunkt, den Tod mit der Kraft des Gesangs zu überwinden. Monteverdis Werk erinnert zugleich an einen frühen Moment der Operngeschichte, in dem Stimme, Sprache, Musik und dramatische Handlung zu einer neuen Bühnenform verbunden wurden.

