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Jenseits von „Carmen“: Die Mailänder Scala entdeckt Bizets „Die Perlenfischer“ neu

Die Mailänder Scala nimmt Georges Bizets Oper Die Perlenfischer nach fast acht Jahrzehnten wieder in ihren Spielplan auf. Olga Peretyatko, Dmitry Korchak und Igor Golovatenko stehen im Zentrum der Neuproduktion, die am 22. Januar 2027 Premiere hat. Henrik Nánási dirigiert, Arnaud Bernard führt Regie.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Die Mailänder Scala
Die Mailänder Scala | © Graham Gramilano Spicer

Mainz/Mailand - Georges Bizet ist vor allem für Carmen weltberühmt. Doch zwölf Jahre vor der Uraufführung seiner Erfolgsoper schrieb er mit Die Perlenfischer ein Musikdrama, in dem sich bereits seine Vorliebe für farbige Orchesterklänge, einprägsame Melodien und dramatische Konflikte zeigt. Die Mailänder Scala bringt das 1863 uraufgeführte Werk im Januar 2027 erstmals seit 1948 wieder auf die Bühne. Damals war die Oper dort auf Italienisch zu hören. Die Neuproduktion entsteht in Koproduktion mit dem Teatro Real in Madrid.

Die Handlung spielt an der Küste Sri Lankas. Nadir und Zurga verbindet eine enge Freundschaft, doch beide lieben Leïla. Als die junge Frau als Priesterin in die Gemeinschaft zurückkehrt, gerät das Verhältnis der Männer ins Wanken. Leïla hat ein Gelübde abgelegt, das sie zur Keuschheit verpflichtet; ihre Liebe zu Nadir bringt sie in Konflikt mit den religiösen Regeln. Aus Freundschaft wird Rivalität, aus persönlicher Sehnsucht ein Kampf zwischen Pflicht, Loyalität und Leidenschaft.

Musikalisch lebt die Oper vom Wechsel zwischen lyrischer Innigkeit und dramatischen Chorszenen. Das Duett „Au fond du temple saint“, in dem Nadir und Zurga die Erinnerung an eine einst gemeinsam geliebte Frau beschwören, zählt zu Bizets bekanntesten Kompositionen. Nadirs Arie „Je crois entendre encore“ entfaltet dagegen eine träumerische, beinahe entrückte Klangwelt. Die fein abgestufte Orchestrierung und die Chöre verleihen dem Stück seine charakteristische Atmosphäre.

Für die Scala bietet die Rückkehr des Werks Gelegenheit, Bizets Entwicklung jenseits von Carmen zu beleuchten. In Die Perlenfischer ist die französische Operntradition noch deutlich spürbar; zugleich zeigt sich bereits das Gespür des Komponisten für prägnante musikalische Charakterisierung und wirkungsvolle dramatische Kontraste. Die Oper ist damit nicht nur eine Wiederentdeckung des Repertoires, sondern auch ein Einblick in die Entwicklung eines Komponisten, dessen Schaffen häufig auf ein einziges Werk reduziert wird.

Die Besetzung führt Olga Peretyatko als Leïla, Dmitry Korchak als Nadir und Igor Golovatenko als Zurga zusammen. Nicolas Courjal übernimmt die Partie des Nourabad. Henrik Nánási dirigiert Orchester und Chor der Scala, Arnaud Bernard führt Regie. Das Bühnenbild entwirft Alessandro Camera, die Kostüme gestaltet Carla Ricotti.

Die Premiere findet am 22. Januar 2027 statt; weitere Vorstellungen folgen am 24., 27. und 30. Januar sowie am 7. Februar. Mit Die Perlenfischer öffnet die Scala ihren Spielplan für ein Werk, in dem Bizets melodische Handschrift bereits unverkennbar ist. Der Konflikt zwischen Freundschaft, Liebe und Pflicht reicht dabei weit über die exotisch geprägte Szenerie hinaus.

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