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Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“: Eine Frau im Kampf gegen Gewalt und Unterdrückung

Die Staatsoper Stuttgart zeigt ab dem 8. November 2026 Dmitri Schostakowitschs Oper Lady Macbeth von Mzensk in einer Neuproduktion von Ulrike Schwab. Rosie Aldridge singt Katerina Ismailowa, deren Sehnsucht nach Liebe und Selbstbestimmung in einer patriarchal geprägten Welt in Gewalt und Verzweiflung mündet. Am Pult steht der neue Generalmusikdirektor Nicholas Carter.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Generalmusikdirektor Nicholas Carter
Generalmusikdirektor Nicholas Carter | © Matthias Baus

Mainz/Stuttgart - Eine Frau will ihrem Leben entkommen – und wird zur Mörderin. Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk erzählt von Katerina Ismailowa, die in einer russischen Kaufmannsfamilie unter der Kontrolle ihres Mannes und der Tyrannei ihres Schwiegervaters leidet. Als sie sich in den Arbeiter Sergej verliebt, scheint ein Ausweg möglich. Doch ihre Befreiung führt über Verbrechen in die Katastrophe. Am 8. November 2026 feiert das Werk an der Staatsoper Stuttgart in einer Neuproduktion Premiere. Ulrike Schwab führt Regie, Nicholas Carter dirigiert.

Schwab erzählt die Geschichte aus Katerinas Perspektive. Realität, Fantasie und Traum verschmelzen zu einem düsteren Erinnerungstrip. Im Zentrum steht eine Frau, deren Handlungsspielraum von Anfang an eingeschränkt ist. Ihr Wunsch nach Liebe und Selbstbestimmung trifft auf eine Gesellschaft, in der Demütigung und Gewalt den Alltag bestimmen. Katerina ist weder eine ungebrochene Heldin noch eine kühl kalkulierende Verbrecherin: Ihr Versuch, sich zu befreien, wird selbst Teil des zerstörerischen Kreislaufs.

Die britische Sopranistin Rosie Aldridge übernimmt die Titelpartie. Sie muss die Widersprüche einer Figur gestalten, die sich nach Nähe und Freiheit sehnt und zugleich immer tiefer in Schuld und Isolation gerät. Schostakowitschs Musik spiegelt diese Zerrissenheit in einer Partitur, die schneidende Härte, groteske Zuspitzungen und Momente großer lyrischer Empfindsamkeit miteinander verbindet.

Nicholas Carter, neuer Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart, leitet das Staatsorchester Stuttgart. Schostakowitschs Partitur verlangt höchste Präzision und einen ausgeprägten Sinn für dramatische Kontraste. Grell gefärbte Bläser, scharf akzentuierte Rhythmen und abrupte Stimmungswechsel prägen den Klang. Das Orchester begleitet die Handlung nicht bloß, sondern legt die Brutalität der gesellschaftlichen Verhältnisse offen, aus denen Katerinas Verzweiflung erwächst.

Die 1934 in Leningrad uraufgeführte Oper sorgte mit ihrer drastischen Darstellung von Sexualität, Gewalt und gesellschaftlicher Heuchelei für Aufsehen. 1936 geriet Schostakowitsch nach einer Aufführung in Moskau ins Visier der sowjetischen Kulturpolitik. Am 28. Januar erschien in der Parteizeitung Prawda der vernichtende Artikel „Chaos statt Musik“, der die Oper scharf angriff. Das Werk verschwand daraufhin weitgehend von den sowjetischen Bühnen. Erst Jahrzehnte später konnte es sich wieder dauerhaft im Repertoire etablieren. Die Rezeptionsgeschichte zeigt, wie eng Schostakowitschs künstlerische Radikalität mit den politischen Machtverhältnissen seiner Zeit kollidierte.

Neben Aldridge als Katerina singt Ladislav Elgr den Sergej, Goran Jurić den Boris Timofejewitsch und Moritz Kallenberg den Sinowi. Pia Dederichs und Lena Schmid gestalten Bühne und Kostüme. Es spielen das Staatsorchester Stuttgart und der Staatsopernchor Stuttgart.

Die Premiere beginnt am 8. November um 18 Uhr. Weitere Vorstellungen sind am 14. und 19. November sowie am 16. Dezember 2026 und am 3. und 22. Januar 2027 angesetzt. Die Aufführung dauert voraussichtlich rund drei Stunden einschließlich Pause.

Katerinas Geschichte endet im sibirischen Straflager, wo sie sich mit ihrer Rivalin Sonjetka in die eisige Wolga stürzt. Schostakowitschs Oper stellt damit eine verstörende Frage: Was geschieht, wenn eine Gesellschaft Menschen so sehr unterdrückt, dass der ersehnte Ausweg selbst in Gewalt mündet?

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