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24. August 2026

Cecilia Bartoli als Orfeo in Luzern – von Salzburg in die Unterwelt

Nur wenige Tage nach ihren Auftritten bei den Salzburger Festspielen ist Cecilia Bartoli als Orfeo nach Luzern weitergezogen. Beim Lucerne Festival sang sie am 23. August Glucks „Orfeo ed Euridice“ in der Parma-Fassung von 1769. Der Abend verbindet damit Bartolis aktuellen Salzburger Rossini-Schwerpunkt mit einer Partie, die seit ihrer Salzburger Gluck-Produktion zu ihrem Repertoire gehört.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Cecilia Bartoli
Cecilia Bartoli | © Uli WeberDecca

Mainz/Luzern - Cecilia Bartoli hat am Sonntag, 23. August, beim Lucerne Festival die Titelrolle in Christoph Willibald Glucks „Orfeo ed Euridice“ gesungen. Im KKL Luzern traf die Mezzosopranistin erneut auf Gianluca Capuano und Les Musiciens du Prince – Monaco. Mélissa Petit sang Euridice und Amore; auf dem Programm stand die Parma-Fassung von 1769.

Der Luzerner Abend steht dabei in unmittelbarem Zusammenhang mit Bartolis diesjährigem Sommer in Salzburg. Bei den Salzburger Festspielen war die Sängerin in Rossinis „Il viaggio a Reims“ als Marchesa Melibea zu erleben. Ihre Salzburger Auftritte fielen zudem in ihr 60. Lebensjahr; am 8. August wurde ihr Geburtstag bei den Festspielen mit einer Gala gefeiert. Zu den musikalischen Gästen gehörten unter anderem Rolando Villazón, Plácido Domingo, Pretty Yende und Antonio Pappano.

Mit dem Wechsel von Rossini zu Gluck verändert sich auch der musikalische Charakter ihrer aktuellen Auftritte deutlich. Während „Il viaggio a Reims“ aus einer Folge virtuoser Ensembles und individueller Arien lebt, konzentriert Glucks „Orfeo ed Euridice“ das Drama auf eine einzige große emotionale Linie: Orfeo steigt in die Unterwelt hinab, um Euridice zurückzugewinnen, darf sie aber auf dem Weg zurück nicht ansehen.

Bartoli ist mit dieser Partie besonders verbunden. In ihrer Salzburger Gluck-Produktion von 2023 sang sie ebenfalls den Orfeo; die Zusammenarbeit mit Capuano und den Musikern des Ensembles Les Musiciens du Prince – Monaco gehört seit Jahren zu ihren künstlerischen Konstanten. Die Luzerner Aufführung führte diese Verbindung nun in konzertanter Form fort.

Besonders interessant ist die Wahl der Parma-Fassung von 1769. Glucks Oper entstand ursprünglich für Wien und den Kastraten Gaetano Guadagni. Für die Aufführung in Parma wurde die Partie des Orfeo höher disponiert und die Oper an die dortigen Aufführungsbedingungen angepasst. Die Fassung macht damit hörbar, wie stark Glucks Musikdrama bereits in seinen frühen Jahren von konkreten Sängern, Stimmen und Bühnenbedingungen geprägt war.

In Luzern dirigierte Capuano Les Musiciens du Prince – Monaco auf historischen Instrumenten. Dadurch rückte die kammermusikalische Klarheit der Begleitung neben Bartolis Stimme besonders in den Vordergrund. Glucks Musik braucht dabei keine große äußere Aktion: Die dramatische Spannung entsteht aus Orfeos Gesang, den Chören der Unterwelt, den schroffen Interventionen der Furien und den ruhigeren Klängen der Elysischen Gefilde.

Der Weg von Salzburg nach Luzern zeigt zugleich eine bemerkenswerte Spannweite in Bartolis diesjährigem Sommerprogramm. In Salzburg stand sie im komödiantisch-virtuosen Kosmos Rossinis, in Luzern nun im existenziellen Drama Glucks. Beide Werke trennen fast ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte – verbunden sind sie durch eine Sängerin, die zwischen historischer Aufführungspraxis, italienischem Belcanto und klassischem Musikdrama wechselt.

So wurde Luzern nicht einfach zum nächsten Konzerttermin nach Salzburg, sondern zur Fortsetzung eines Sommers, in dem Cecilia Bartoli zwei sehr unterschiedliche Seiten des vokalen Theaters nebeneinanderstellt: Rossinis bewegliche Ensemblekunst in Salzburg und Glucks konzentriertes Trauerspiel in Luzern.